Buchtipp No 6 - Nelly Nyffeler

Das Glück am Ende des Weges - Ein Jakobsweg-Roman von Fioly Bocca

Verlag Wunderlich

Die Beweggründe, um eine Strecke des

Jakobsweges unter die Füsse zu nehmen sind wohl ebenso vielfältig wie die Pilger. Unabhängig voneinander machen sich zwei verschiedene Frauen auf die Reise. Alma, die in Bologna eben eine eigene Buchhandlung eröffnet hat und die ältere Psychologin Frida aus Turin lernen sich in einer Pilgerherberge kennen. Unterwegs treffen sie immer wieder aufeinander und so beschliessen die Frauen, fortan zusammen zu wandern. Alma und Frida werden zu Freundinnen und vertrauen einander auf ihrem Weg durch verträumte Dörfer und über beschauliche Hügel ihren Kummer an. Alma verliebte sich in den Ferien im Piemont in Bruno, der dort ein Agrotourismus-Hotel betreibt. Das grosse Glück ist jedoch von kurzer Dauer. Bruno ist in seinem Dorf verwurzelt, einen Wegzug kann er sich nicht vorstellen. Alma will ihren kürzlich verwirklichten Traum von der Selbstständigkeit nicht gefährden. Da Bruno in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit einer Liebe auf Distanz gemacht hat, kommt vor allem für ihn eine Fernbeziehung nicht in Frage. Neun Monate nach der Trennung leidet Alma immer noch an Liebeskummer und versucht nun auf der Wanderung Bruno zu vergessen. Fridas Ehemann Manuel kam bei einem Einsatz für „Ärzte ohne Grenzen“ ums Leben.


Vor Trauer ist Frida wie gelähmt und ihre Gedanken kreisen dauernd um Manuel. Sie hat Angst, die letzte Verbindung zu ihrem geliebten Mann zu verlieren, wenn die Erinnerungen nach und nach verblassen. Auf dem Pilgerweg will sich Frida mit Menschen treffen, die ihrem Ehemann nahe gestanden sind. Frida erhofft sich, dass dank Gesprächen mit ehemaligen Weggefährten, die Nähe zu ihrem Mann nicht verschwindet. Eine Pilgerin will festhalten, die andere loslassen. Schritt für Schritt gelingt es den beiden, ihre gebrochenen Herzen zu heilen und sich für Neues zu öffnen.

 

Die italienische Autorin Fioly Bocca erzählt zart, poetisch, feinfühlig und mit Emotionen über die manchmal anstrengende Wanderung, über Verlust, Trauer und Sinnsuche. Es gibt verschiedene Lebenswege. Manchmal liegt im grössten Schmerz das kleine Glück und manchmal muss man fortgehen, um bei sich anzukommen.


Buchtipp No 5 - Franziska Heiniger

Elli Rotfell - Die abenteurliche Rettung von Schloss Drachenmut von Anne Ameling 

Bilder von Eva Czerwenka 

Dressler Verlag GmbH Hamburg

Die Mitglieder der Grossfamilie Rotfell sind Eichhörnchen, welche ihr Revier in den üppigen Haselnusssträuchern im Schlosspark von Schloss Drachenmut haben. Elli Rotfell, ein junges Familienmitglied, ist kein normales Eichhörnchen. Sie lässt sich ungerne zurechtweisen und alles will ausprobiert sein. Sie lässt ihre Familie zurück um die Umgebung zu entdecken. Bereits nach kurzer Zeit trifft sie auf den Waschbären Wolle Waschington. Wolle ist ebenso neugierig wie Elli. Die beiden freunden sich an, ojee - wenn dies Opa Rotfell wüsste - und schon stecken sie in einem der grössten Abenteuer ihres Lebens. Sie treffen im Schlosspark andere Tiere und finden heraus, dass Schloss Drachenmut verkauft werden soll. Dies ist doch ihr Zuhause! Der Freiherr Severin von Twist ist, vor seinem täglichen Rundgang mit seinen Hund Heribert von der Heide, verstorben. Somit kann er den Verkauf nicht verhindern, aber als durchsichtiger Mensch kann er mit den Tieren sprechen. Gelingt es Elli Rotfell und Wolle Waschington zusammen mit den anderen Tieren aus der Umgebung das Schloss und den Schlosspark zu retten?

 

Ein Vorlesebuch (mit 192 Seiten) für Kinder ab sechs Jahren mit einem Spannungsbogen von frech bis gruselig. Eine herrlich verrückte Freundschaftsgeschichte, mit vielen überraschenden Wendungen und ohne Langeweile. Grossartig!


Buchtipp No 4 - Diana Meyer

Mercy Seat von Elizabeth H. Winthrop

Verlag C.H. Beck

 

Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Sie spielt sich ab in den 1940er Jahren in Louisiana, in einem kleinen Ort namens St. Martinville. Der junge Afroamerikaner Will, soll Grace, ein weisses Mädchen, vergewaltigt haben. In Wahrheit aber waren die beiden ein Liebespaar. Kurz nachdem der Vater die heimliche Liebschaft der beiden entdeckt hat, bringt sich Grace aus Verzweiflung und Scham um, wählt den Freitod. Völlig am Boden zerstört und alleine gelassen, fügt sich Will in sein Schicksal und akzeptiert sein Todesurteil. Denn dieses war durch die Geschworenen einstimmig. Ganz St. Martinville wartet darauf, dass dieses schreckliche Verbrechen gesühnt wird. Der Staatsanwalt hat den Tod durch den elektrischen Stuhl festgesetzt. Jubeln können so weisse Rassisten, den sie haben ihr Ziel erreicht und das Urteil bekommen, welches sie mit erpresserischen Massnahmen erkämpft haben. Wir begleiten Will in seinen letzten Stunden. Parallel dazu lernen wir verschiedene Menschen kennen, die Will's Leben kurz berühren und ihm in dieser ausweglosen Situation auf irgendeine Art begegnen. Da wäre Lane, ein weisser Häftling, der wegen Mordes zu zehn Jahren Gefängnis verurteil worden ist, und nun zusammen mit dem Captain die "Grausige Gertie", so wird der elektrische Stuhl genannt, nach St. Martinville transportieren muss, damit das Urteil vollstreckt werden kann. Will's Vater Frank, der sich durch die brütende Hitze des Landes auf den Weg macht um seinen Sohn noch ein letztes Mal sehen zu können. Den Priester Hannigan, der Will durch die schweren Stunden begleiten soll und dann selber an seinem Glauben zu zweifeln beginnt. Den Staatsanwalt Polly, der mit seinem Gewissen kämpft und um die Sicherheit seines Sohnes Gabe fürchtet, weil dieser von Rassisten bedroht wird. Polly's Frau Nell, die Will die letzte Mahlzeit zubereitet, immer mehr von dessen Unschuld überzeugt ist und ohnmächtig der fehlenden Gerechtigkeit gegenüber stehen muss. 

 

Die Autorin erzählt noch von anderen Menschen und deren Geschichten die sich alle mit Will's Leben irgendwo kreuzen, schafft es, sie uns ganz nah zu bringen und mit ihnen mit zu fühlen. Genauso wie sie uns das Land und seine schier unglaubliche Hitze spüren lässt. Die ganze Geschichte hat mich gepackt und erschüttert. Ich musste das Buch in einem Zug durchlesen, konnte es nicht mehr loslassen. Dabei, ich muss es gestehen, sind auch ein paar Tränen geflossen...

 

Die Autorin: Elizabeth H. Winthrop ist 1979 geboren, lebt mit ihrer Familie in Massachusetts. Sie studierte englische und amerikanische Literatur an der Harvard University und erwarb ihren Master of Fine Arts in Fiction an der University of California in Irvine. Sie hat Erzählungen und bislang drei Romane veröffentlicht.

 


Buchtipp No 3 - Daniela Ait Salem

Am Ende der Reise von Edward Docx

Verlag Kein&Aber

 

Im Roman Am Ende der Reise, erzählt Edward Docx von Glück, Liebe und dem Sterben. Es ist die Geschichte von Larry, der unheilbar erkrankt ist und sich entschieden hat Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Da dies in seiner Heimat England nicht möglich ist, plant er dazu in die Schweiz zu reisen. Sein jüngster Sohn, fährt ihn mit dem alten Familien VW-Buch von England quer durch Europa nach Zürich. Unterwegs stossen auch die beiden älteren Zwillingsbrüder dazu und "die Reise" beginnt.

Campingurlaub wie früher: vier Männer im Bus, es wird getrunken, philosophiert und auch Vorwürfe werden gemacht. Nicht alle sind mit der Entscheidung des Vaters einverstanden. Unterwegs müssen sie jedoch lernen diese zu akzeptieren und Abschied zu nehmen, denn der Entschluss steht fest.

Das Buch steckt voller Emotionen, was bei einem solchen Thema wohl unumgänglich ist. Es wird gelacht, geweint und sich die Meinung gesagt. Mit viel Gespür für Familienbeziehungen, werden die Guten und weniger schönen Momente ihrer Vergangenheit angesprochen. Am spürbarsten ist jedoch die Liebe, die sie füreinander empfinden und man merkt, dass es diese Liebe ist, die se dem Vater einfacher macht eine Entscheidung zu treffen und abzuschliessen. Wie im Buch geschrieben: Es geht nicht darum was man genommen hat sonder was man gegeben hat. Und in seinen Augen, sind dies, seine drei wunderbaren Söhne, welche er der Welt hinterlässt.

In diesem Buch wird ein heikles Thema sehr ungezwungen angesprochen. Durch die Söhne fliessen unterschiedliche Haltungen zur Sterbehilfe ein. Das Verständnis und Mitgefühl soll geweckt werden. Es ist kein Buch, das man einfach Mal schnell liest, denn es stimmt nachdenklich. Jenen, die sich aber mit diesem Thema auseinandersetzen wollen, empfehle ich es, denn schon Seneca schrieb: Sein Leben lang, muss man Sterben lernen.


Buchtipp No 2 - Käthi Akermann

UrDinkel Alles vom Blech von Judith Gmür-Stalder

Fona Verlag Lenzburg

 

Dieses "gluschtige" Backbuch ist bereits 2016 erschienen, verdient es jedoch, endlich näher vorgestellt zu werden. In fünf kurzen, einleitenden Kapiteln erfahren wir viel Wissenswertes über die Geschichte aus den Anbau von UrDinkel, über die Verarbeitung dieses robusten Getreides und ein Schweizer Backblechhersteller wir porträtiert.

Die Marke UrDinkel steht für alte, nicht mit Weizen eingekreuzte Schweizer Dinkelsorten. Die ältesten Dinkelfunde Europas stammen aus der späten Steinzeit. Die bekannte Äbtissin Hildegard von Bingen schrieb im 11. Jahrhundert: "Der Dinkel ist das beste Getreide, er ist warm, nährend und kräftigt; und er ist milder als die anderen Getreidearten. Er bereitet dem, der ihn isst, reiches Fleisch und gutes Blut, er macht frohen Sinn und Freude im Gemüt."

 

Neben den vorzüglichen Nährwerten überzeugt UrDinkel auch geschmacklich und es lässt sich daraus viel Feines backen. 

 

Der grosse Rezeptteil ist in sieben Kapitel aufgeteilt: Wähen, Tartes, Pies süss und pikant; Pizza, Flammkuchen pikant und süss, Focacce, Knäckebrot, Pita süss und pikant; Strudel süss und pikant; Süsses Allerlei; Grundrezepte.

 

Die Rezepte sind mit Zubereitungszeit, Zutaten und Schritt für Schritt Anleitung sehr übersichtlich dargestellt. Auch für Backanfänger bestens geeignet! Die Auswahl an 62 Rezepten vom Blech macht die Entscheidung nicht leicht, z.Bsp. Emmentaler-Strudel, Zucchini-Focacce, Cassisrosen... Ein ganzseitiges Bild des Gebäcks in nostalgischem Stil ausdekoriert, macht diese Backbuch zu einem kleinen Juwel.

 


Buchtipp No 1 - Nelly Nyffeler

Kleine Mordgeschichten aus dem Emmental

Landverlag

 

In den letzten acht Jahren verfassten zwölf unterschiedliche Autorinnen und Autoren Krimis für die Zeitschrift "Lebenslust Emmental". 28 spannende, schräge oder witzige Kurzgeschichten von Gabriel Anwander, Marina Bolzli, Peter Ducommun, Esther Pauchard, Sandra Rutschi u.a. liegen nun gesammelt im Büchlein "Kleine Mordsgeschichten aus dem Emmental" vor. 

 

In der Geschichte Das verlorene Paradis von Hans Herrmann entdeckt ein vierzigjähriger Mann an einem Winternachmittag im obersten Emmental einen abgeschiedenen Flecken Land. Vom paradiesähnlichen Alpenrefugium ist er sehr angetan. Fortan verbringt er viel Zeit in "seinem" Idyll. Die merkwürdigen Begegnung mit einem Freizeitmenschen in Outdoorbekleidung zwingt ihn jedoch dazu, das Tal für immer zu verlassen.

 

Schnapp den Lump von Christine Brand ist bitterbös und humorvoll. Die Kantonspolizei Bern hat im Rahmen einer Studie über die Sicherheit festgestellt, dass sich in der Stadt Burgdorf überdurchschnittlich viele Taschendiebstähle ereignen. Eine spezielle App, die jeder Burgdorfer gratis auf sein Smartphone laden kann, soll mithelfen, dass in Zukunft sämtliche Langfinger gefasst werden und die Stadt sicherer wird. Die gelernte Informatikerin und passionierte Taschendiebin Lena Stahl muss sich etwas einfallen lassen.

 

Christoph Laueners Paarlauf führt uns auf eine Wanderung. Hanna Stähli ist in den letzten 25 Jahren bestimmt hunderte Male mit ihrem Ehemann Paul am Sonntagmorgen gegen neune Uhr aufgebrochen, um an einem Ausgangspunkt zu gelangen. Alles läuft immer gleich ab: packen, losfahren und losmarschieren. Heute ist der Schibegütsch das Ziel. Bereits zum sechsten Mal machen Stählis diese Tour. Vor dem Start zur Wanderung im Kemmeriboden würde Hanna gerne einen Kaffee geniessen. Doch Paul lässt sich wie immer mit dem Hinweis auf die Unsicherheit des Wetters nicht für dieses Vorhaben begeistern. Eigentlich geniesst Hanna die Wanderungen, was sie aber nicht ausstehen kann, ist, dass ihr Mann immer rund 30 Meter Vorsprung hat. Nicht etwa weil er schneller wandern würde - der Abstand bleibt immer gleich - nein aus unerklärlichen Gründen hat Paul einmal mit dieser Marotte angefangen. Nun ist der Gipfel in Reichweite, die Sonne wärmt angenehm und die Wanderung nimmt ihren fast gewohnten Gang...

 

Die "kleine Schwester" der grossen Vorgängerbände mit Mordsgeschichten aus dem Emmental hat meines Erachtens durchaus Beachtung verdient.