Persönliche Medientipps

Regelmässig schreiben die Mitglieder des Ausleihteams einen persönlichen Buchtipp, teilweise auch Medientipp für den Unter Emmentaler. An dieser Stelle sammeln wir diese Leseempfehlungen für Sie.

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Buchtipp No 1/2020 - Franziska Heiniger

 Die Herrin der Lettern – Historischer Roman

Sophia Langer / Droemer Verlag

Dieser eindrückliche historische Roman handelt von der ersten

erfolgreichen Buchdruckerin Deutschlands wo sich wahre Begebenheiten und Fiktion mischen. Um 1450 wurde der Buchdruck durch Gutenberg revolutioniert. Um 1554 betreibt die Familie um Ulrich Monhardt mit Ihren Gesellen die einzige Buchdruckerei in und um Tübingen. Doch das Familienoberhaupt verstirbt völlig unerwartet. Er vermacht sein Betrieb seinem ältesten Sohn «Ulrich der Jüngere» aus erster Ehe und seiner zweiten Ehefrau Magdalena. Eine Frau als Geschäftsführerin ist in dieser Zeit nicht denkbar und Ulrich (der Jüngere) versucht mit allen Mitteln seine Stiefmutter zu verdrängen. Sie muss sich als Frau durchsetzen. Die Gesellen rebellieren teilweise ebenfalls offen gegen Magdalena als Chefin, sie muss sich vehement gegen ihren Stiefsohn wehren und den strengen Zeitplan für einen Druckauftrag der Regierung einhalten, um überhaupt die Möglichkeit zu erhalten, angehört zu werden.

 

Ich habe mit Magdalena gehofft, gebangt und wieder gehofft, dass sie nicht aufgibt. Magdalena ist eine couragierte starke Persönlichkeit, welche sich in der Männerwelt durchsetzen und ihre kleineren Kinder ernähren muss. Und sie möchte selbst die Druckerei führen. Zu dieser Zeit war es Buchdruckerwitwen doch üblicherweise nur möglich sich neu zu verheiraten oder die Druckerei zu verkaufen. Neben dem Leben von Magdalena und ihrer Entourage wird die Kunst des Buchdruckes, samt dem enormen Arbeitsaufwand, durch die Autorin spannend erläutert. Auch der verbreitete Aberglaube und die Glaubensfrage durch die Reformation spielen eine wichtige Rolle im Roman.

 

Zu Beginn dieses 523 seitigen historischen Romans ist ein Personenregister zur Orientierung zu finden, am Ende ein Nachwort mit historischen Hintergrundinformationen und einem Glossar. Sophia Langer schreibt sehr lebendig, bildhaft und fesselnd. Es gelang mir schnell mich in die damalige Zeit zu versetzten. Es ist mir jeweils schwergefallen, dass Buch beiseite zu legen. – Ich musste weiterlesen. Ich finde dies ist ein gelungenes Debüt der Autorin.